Journalist im Portrait

Christoph Kotanko: Lass dich von deinen Lesern inspirieren!

Als Volontär, später Polizeireporter einer Innviertler Regionalzeitung verdiente Christoph Kotanko seiner ersten Sporen im Journalismus. Nach Studententagen in Wien und Paris begann der heutige Chefredakteur des „Kurier“ gegen Zeilenhonorar für die „Wochenpresse“ zu schreiben. Später holte ihn „profil“ als politischen Redakteur. Beim „Kurier“ (seit 1988) wurde Kotanko zum längstdienenden innenpolitischen Ressortleiter in der Geschichte der Zeitung www.kurier.at.

Christoph Kotanko, Chefredakteur der Tageszeitung „Kurier“.Als Volontär, später Polizeireporter einer Innviertler Regionalzeitung verdiente Christoph Kotanko seiner ersten Sporen im Journalismus. Nach Studententagen in Wien und Paris begann der heutige Chefredakteur des „Kurier“ gegen Zeilenhonorar für die „Wochenpresse“ zu schreiben. Später holte ihn „profil“ als politischen Redakteur. Beim „Kurier“ (seit 1988) wurde Kotanko zum längstdienenden innenpolitischen Ressortleiter in der Geschichte der Zeitung www.kurier.at.

1. Was ist aus Ihrer Sicht das Schönste am Beruf des Journalisten?

Die Abwechslung: Journalisten sind die Geburtshelfer von Neuigkeiten. Diese Arbeit ist immer spannend und voller Überraschungen, auch wenn man glaubt, nach 30 Jahren in diesem Beruf schon alles gesehen und beschrieben zu haben. Und der Kontakt mit dem Publikum: Lass dich von deinen Lesern inspirieren!

2. Was ist aus Ihrer Sicht das Schlimmste am Beruf des Journalisten?

Die Überschätzung der Möglichkeiten. Es gibt in- und außerhalb unserer Branche die irrige Meinung, Medien seien allmächtig. Das führt auf beiden Seiten, bei Absendern und Empfängern der Botschaft, oft zu Enttäuschungen. Wir müssen alle realistisch sein: Im Zeitungsgeschäft gibt es keine Wundertüten.

3. Sie bekommen sicher eine Menge Presseaussendungen: Welchen Themen interessieren Sie da ganz besonders?

Neue, überraschende, schräge Themen, die zur Kreativität anregen. Aussendungen mit echtem Nachrichtenwert.

4. Welche Presseaussendungen sind für Sie gar nicht verwertbar?

Veraltetes Material, plumpes Werbung, unverständliche Insidereien.

5. Wie werden Sie am liebsten mit Informationen und Einladungen versorgt?

Per Mail. Einladungen sollten langfristig vorbereitet werden, ein Erinnerungsmail ist sehr nützlich.

6. Was zeichnet aus Ihrer Sicht eine gute PR-Agentur aus?

Eine gute Agentur muss, wie eine gute Zeitung, die Alltagsnotwendigkeiten abdecken und darüber hinaus das Eigene, das Besondere, das Außergewöhnliche bringen. Das geht nur durch tragfähige persönliche Kontakte, die gepflegt werden, auch wenn gerade nichts Großartiges los ist.

7. Was sollte ein PR-Verantwortlicher tunlichst vermeiden?

Unwichtiges aufblasen, Wichtiges falsch darstellen. Und er sollte nicht versuchen, den Journalisten zu instrumentalisieren – das gelingt vielleicht ein, zwei Mal, dann nie wieder.

8. Orten Sie mitunter handwerkliche Fehler bei Presseaussendungen?

Ja. Sie sind mitunter zu lang, schwer verständlich, in Fach-Chinesisch abgefasst und kümmern sich nicht um die Zielgruppe.

9. Gibt es etwas was Sie im Zusammenhang mit PR-Agenturen ärgert?

Sie setzen fallweise die falschen Prioritäten. Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden ist heute eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Arbeit.

10. Wann – an welchem Wochentag, zu welcher Tageszeit – sind Sie in Ihrem Job am ehesten ansprechbar, wann gar nicht?

Der „Kurier“ erscheint an sieben Tagen jede Woche, 360 Tage im Jahr. Dadurch ist meine Erreichbarkeit für die Redaktion fast immer gegeben, außer ich bin weit weg im Urlaub. Ich habe ein gut organisiertes Büro, die Kolleginnen wissen, für wen ich jederzeit persönlich erreichbar sein muss. Per Mail bin ich immer erreichbar. Mein Arbeitstag beginnt üblicherweise mit einem dienstlichen Frühstück und endet oft mit einer Abendveranstaltung.

11. Was halten Sie vom so genannten „Nachrufen“, also dem Nachfassen von Seiten der PR-Agenturen, ob man denn eine Presseaussendung „eh erhalten“ habe oder „eh an einer Pressekonferenz teilnehmen“ werde?

Davon bin ich als Chefredakteur nicht betroffen.

12. Wie stehen Sie persönlich zu Journalisten-Reisen, aufwendigen Einladungen und wertvollen Geschenken?

Kommt drauf an. Wenn ich eine schöne Reise machen will, zahle ich sie selbst. Wenn der Bundespräsident oder eine andere interessante Persönlichkeit eine spannende Auslandsreise macht, fahre ich mit, auch wenn die eine oder andere Essenseinladung oder Einladung zu einem gesellschaftlichen Ereignis inkludiert ist. Das gehört zur Arbeit. Wertvolle Geschenke, also solche mit hohem Geldwert, nehme ich nicht an.

13. Ihr Bezug zur Medienbeobachtung?

Medienbeobachtung ist wichtig, weil ich wissen möchte, was sich rundherum tut. Es gibt ein Leben außerhalb der eigenen Redaktion.

Ad personam:

Beruflicher Werdegang: Matura, Studium in Wien und Paris, Dr. phil., als Student in den Sommermonaten Volontär bei der OÖ. Rundschau (Lokalredaktion Innviertel), 1979 bis 1986 Wochenpresse, 1986 bis 1988 Profil, seit 1988 „Kurier“, zuerst innenpolitischer Ressortleiter, dann auch stellvertretender Chefredakteur, seit 2005 Chefredakteur (Nachfolger von Peter Rabl).

Familienstand: verheiratet mit Ingrid, eine Tochter, Katharina.

Sternzeichen: Löwe

Geburtsdatum: 27. Juli 1953

Liebllingsmusiker: Bob Marley

Lieblingsfilmstar: Isabelle Adjani

Lieblingsort in Österreich: Omesberg/Lech

Lieblingsort weltweit: Sanibel Island/Florida

Kontakt: christoph.kotanko@kurier.at

Christoph Kotanko, Chefredakteur des Kurier: „Mein Arbeitstag beginnt üblicherweise mit einem dienstlichen Frühstück und endet oft mit einer Abendveranstaltung.“

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