Journalist im Portrait

„Es ist eine Sisyphus-Arbeit. Man ist nie fertig.“

Richard Wiens hat bei den „Salzburger Nachrichten“ die Wirtschaftsredaktion von Veronika Canaval übernommen, die in Pension geht. Seit April 2010 ist Wiens Leiter des Wirtschaftsressorts.

Richard Wiens hat bei den „Salzburger Nachrichten“ die Wirtschaftsredaktion von Veronika Canaval übernommen, die in Pension geht. Seit April 2010 ist Wiens Leiter des Wirtschaftsressorts.

1. Journalisten sind in der privilegierten Position, einen abwechslungsreichen Job auszuüben: Was gefällt Ihnen noch an Ihrem Beruf?

Man lernt interessante Menschen kennen. Man lernt fast jeden Tag etwas Neues. Man wird – so man fest angestellt ist – anständig dafür bezahlt. Man kann – wenn man beim richtigen Medium ist – schreiben, was man für richtig hält, so lange es stimmt. Das ist schon recht viel.

2. Wo viel Licht ist, ist meist auch viel Schatten: Was sind die Schattenseiten des Journalistenberufs?

Es ist eine Sisyphus-Arbeit. Man ist nie fertig, man fängt jeden Tag neu an. Der Druck, jemandem gefällig zu sein oder nach dem Mund zu schreiben, ist da – und nimmt zu. Aber sich dem zu widersetzen, gehört zum Job. Also, kein Grund, zu jammern.

3. Was treibt Sie in Ihrem Beruf als Journalist an?

Das Unverständliche für die Leser ein wenig verständlicher zu machen, das Unfassbare fassbar zu machen, ohne es zu verniedlichen.

4. Wenn Sie Presseaussendungen zugeschickt bekommen, welche Themenfelder interessieren Sie da besonders und welche interessieren Sie überhaupt nicht?

Ich schließe von vornherein keine Themen aus, ignoriere aber nahezu alle Informationen, bei denen es nur um Produkte geht.

5. Wie werden Sie im Berufsalltag am liebsten mit PR-Aussendungen, Informationen und Einladungen versorgt?

Am liebsten so wenig wie möglich, und wenn, dann am besten über E-Mail.

6. An welchem Wochentag und zu welcher Tageszeit sind Sie in Ihrem Job am ehesten ansprechbar und wann sollte man Sie besser nicht kontaktieren?

Ich bin grundsätzlich immer ansprechbar, erwarte mir aber, dass mein Vis-a-vis ein Gefühl dafür hat, dass sein Anliegen eines von vielen ist. Man kann Journalisten vieles zumuten, soll ihnen aber nicht die Zeit stehlen.

7. Was können Sie in Zusammenhang mit PR-Agenturen gar nicht leiden?

Das ständige Nachtelefonieren, ob man eine Aussendung erhalten hat, ob daraus ein Bericht wird, ob man einen Pressetermin besetzt.

8. Können Sie sich an einen Fall erinnern, wo Sie sich ganz besonders über eine PR-Agentur oder PR-Stelle geärgert haben?

Einzelne Fälle verdränge ich – es gibt sehr professionelle Menschen im PR-Gewerbe, aber leider auch noch sehr viele, die es nicht sind.

9. Erinnern Sie sich auch an einen Fall, wo Sie sich ganz besonders über eine PR-Agentur oder eine PR-Stelle gefreut haben?

Siehe Frage 8.

10. Was zeichnet für Sie eine gute PR-Agentur oder einen guten PR-Berater aus?

Ein Gefühl dafür, ob Botschaft und Medium zusammenpassen. Und auf die Frage gefasst sein, ob man das, was man dem Journalisten als „Super-Geschichte“ andient, selbst gerne in der Zeitung lesen würde. Das hilft – zumindest manchmal.

11. Worauf sollten PR-Agenturen Ihrer Ansicht nach ihr Hauptaugenmerk in Sachen Medienarbeit legen?

Darauf Rücksicht nehmen, dass Journalisten ein anderes Verständnis davon haben, was berichtenswert ist, und es auch einmal gut sein lassen mit gut gemeinten Angeboten für exklusive Gespräche. Danke!

12. Wie würden Sie Ihre neue Aufgabe bei „Salzburger Nachrichten“ charakterisieren?

Ich bin dazu da, meinen Kolleginnen und Kollegen den Rücken frei zu halten. Und ich bin der, der am Ende den Kopf hinhalten muss, wenn etwas schief läuft. Und mir sollte hin und wieder etwas einfallen, was die Zeitung und speziell den Wirtschaftsteil für die Leser interessant macht.

13. Wofür stehen die „Salzburger Nachrichten“ in wenigen Worten und was macht sie als Medium unverwechselbar?

Die „Salzburger Nachrichten“ – unabhängig und liberal – stehen für einen Journalismus, der Aktualität mit dem Streben nach Erklärung der Hintergründe verbindet.

14. Wenn Sie nicht Journalist wären, welchen Beruf würden Sie dann gerne ausüben?

Buchhändler. Noch lieber aber Klavierspieler – wenn ich denn ein Talent dazu hätte.

Ad personam:

1984 Matura an den Tourismusschulen in Wien inkl. Lehrabschluss als Koch und Kellner, danach Studien an der Uni Wien und der WU Wien. Abschluss in Betriebswirtschaft mit Magisterium. Absolvent des Hochschullehrgangs für Öffentlichkeitsarbeit an der Uni Wien

Beruflicher Werdegang:
1989 bis 1990: Pressestelle der Bundesländer-Versicherung (heute Uniqa)
1991 bis 1995: Redakteur der Zeitschrift „industrie“
seit April 1995: Redakteur bei den „Salzburger Nachrichten“ in Wien
seit April 2010: Ressortleiter Wirtschaft

Geburtsdatum: 25. Juli 1963

Hobbys: Lesen (viel), Sport (zu wenig)

Lieblingsort in Österreich: Wien und eine Mühle im nördlichen Burgenland

Lieblingsort weltweit: Einige, aber vor allem Rom, London und New York

Lieblingsautor: Zu viele

Lieblingsgetränk: Kaffee und Leitungswasser

Lieblingsessen: Mediterrane Küche

Lieblingsfilm: „Cinema Paradiso“ von Guiseppe Tornatore

Lieblingsschauspieler: Etliche

Kontakt: richard.wiens@salzburg.com

„Salzburger Nachrichten“-Wirtschaftschef Richard Wiens: „Ich bin dazu da, meinen Kolleginnen und Kollegen den Rücken frei zu halten. Und ich bin der, der am Ende den Kopf hinhalten muss, wenn etwas schief läuft.“

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