Journalist im Portrait

Wenn Werbung mit Information verwechselt wird …

Die oberösterreichische Tageszeitung „Neues Volksblatt“ geht mit einem neuen Chefredakteur in die Zukunft. Der 38-jährige Christian Haubner folgt auf Werner Rohrhofer, der mit 1. August 2013 auf eigenen Wunsch und mit Erreichung des 64. Lebensjahres in Pension geht. Haubner war bisher Chefredakteur-Stellvertreter und Leiter des Wirtschaftsressorts.

Die oberösterreichische Tageszeitung „Neues Volksblatt“ geht mit einem neuen Chefredakteur in die Zukunft. Der 38-jährige Christian Haubner folgt auf Werner Rohrhofer, der mit 1. August 2013 auf eigenen Wunsch und mit Erreichung des 64. Lebensjahres in Pension geht. Haubner war bisher Chefredakteur-Stellvertreter und Leiter des Wirtschaftsressorts.

1. Journalisten sind in der privilegierten Position, einen abwechslungsreichen Job auszuüben: Was gefällt Ihnen noch an Ihrem Beruf?

Es ist schön, sich in die jeweiligen Themen fundiert einarbeiten zu können und jederzeit mit Fachleuten in Kontakt treten zu können und auch nicht alltägliche Einblicke in Politik, Wirtschaft und ähnliche Bereiche zu bekommen. Weiters empfinde ich es generell als sehr angenehm, Themenbereiche für die Leser möglichst interessant aufzubereiten und auf diese Weise umfassend zu informieren.

2. Wo viel Licht ist, ist meist auch viel Schatten: Was sind die Schattenseiten des Journalistenberufs?

Es herrscht in einem Tagesmedium klarerweise permanenter Zeitdruck. Das ist manchmal eine Schattenseite, meist aber – auch wenn sich das nun nach krassem Gegensatz anhört – auch eine Sonnenseite an meinem Beruf: Denn die ständigen Deadlines helfen einem dabei, stets fokussiert und zielorientiert zu arbeiten. Und es stärkt einen auch persönlich, wenn man es schafft, mit Zeit- und Erwartungsdruck gut umgehen zu können, indem man sich auf das Wesentliche konzentriert. Definitiv schwierig kann es manchmal sein, in der Fülle der Themen und Aufgaben das Privatleben nicht zu vernachlässigen. Aber auch das ist ein Lernprozess.

3. Was treibt Sie in Ihrem Beruf als Journalist an?

Die komplexen und vielschichtigen Themen, die es in der Welt von heute gibt, zu sichten, zu gewichten und dann sowohl interessant als auch informativ aufzubereiten – und damit unseren Leserinnen und Lesern einen Mehrwert zu bieten. Wesentliche Motivation ist dabei auch, vielen Dingen auf den Grund zu gehen und sie in bei aller Komplexität übersichtlich darzustellen.

4. Wenn Sie Presseaussendungen zugeschickt bekommen, welche Themenfelder interessieren Sie da besonders und welche interessieren Sie überhaupt nicht?

Grundsätzlich interessieren mich alle Themengebiete, als Vollzeitung decken wir auch sehr viele Bereiche ab.

5. Wie werden Sie im Berufsalltag am liebsten mit PR-Aussendungen, Informationen und Einladungen versorgt?

Auf jeden Fall per E-Mail. Diese Art der Übermittlung ist am besten in den Arbeitsablauf zu integrieren.

6. An welchem Wochentag und zu welcher Tageszeit sind Sie in Ihrem Job am ehesten ansprechbar und wann sollte man Sie besser nicht kontaktieren?

Kontaktieren kann man mich selbstverständlich an jedem Wochentag, am besten vor 18 Uhr, danach laufen Produktionsphasen, die wenig zeitlichen Spielraum lassen.

7. Was können Sie in Zusammenhang mit PR-Agenturen gar nicht leiden?

Wenn Werbung mit Information und somit mit redaktionellem Inhalt verwechselt wird.

8. Können Sie sich an einen Fall erinnern, wo Sie sich ganz besonders über eine PR-Agentur oder PR-Stelle geärgert haben?

Das passiert dann, wenn etwa bei Aussendungen Fotos mitkommen, die keine Druckqualität haben. Oder auch, wenn bei Aussendungen über Firmen wesentliche Daten fehlen, etwa Umsatz, Mitarbeiterzahl und Ähnliches. Ganz allgemein also, wenn „Anfängerfehler“ passieren, die viel Zeit kosten können.

9. Erinnern Sie sich auch an einen Fall, wo Sie sich ganz besonders über eine PR-Agentur oder eine PR-Stelle gefreut haben?

Da gibt es mehrere – immer dann, wenn die Zusammenarbeit gut klappt, wenn etwa angefragte Infos rasch kommen und man es mit freundlichen und zugleich kompetenten Gesprächspartnern zu tun hat.

10. Was zeichnet für Sie eine gute PR-Agentur oder einen guten PR-Berater aus?

Zu wissen, was ein jeweiliges Medium braucht. Und zu wissen, wann es vernünftig ist, die Redaktion zu kontaktieren und wann es besser ist, sich an die Anzeigenabteilung zu wenden.

11. Worauf sollten PR-Agenturen Ihrer Ansicht nach ihr Hauptaugenmerk in Sachen Medienarbeit legen?

Zielgruppenorientiert zu arbeiten und im redaktionellen Umfeld auch immer zu bedenken, woran die jeweiligen Medienkonsumenten und somit die Redaktionen interessiert sein könnten.

12. Wie würden Sie Ihre Aufgabe beim „Neuen Volksblatt“ charakterisieren?

Als Ressortleiter geht es unter anderem darum, wesentliche Inputs für Inhalt und Gestaltung zu geben, sodass jeden Tag aufs Neue ein rundum interessantes Produkt entsteht. In der Chefredaktion ist eine der wesentlichen Aufgaben, für entsprechende Ressourcen und für ein entsprechendes Umfeld zu sorgen, sodass sich alle Kolleginnen und Kollegen möglichst gut auf ihre jeweiligen Aufgaben konzentrieren können. Und natürlich geht es darum, gemeinsam mit den Ressortchefinnen und Ressortchefs die Zeitung in vielerlei Hinsicht ständig zu hinterfragen und zu verbessern – im Großen wie im Kleinen.

13. Wofür steht das „Neue Volksblatt“ in wenigen Worten und was macht es als Medium unverwechselbar?

Das „Neue Volksblatt“ ist eine Volltageszeitung und deckt somit alle Bereiche von Politik bis Sport ab. Als oberösterreichische Zeitung mit Redaktionssitz in Linz legen wir dabei ein besonderes Hauptaugenmerk auf die regionale Berichterstattung, wobei wir auch hier Wert auf inhaltlich umfangreiche Abdeckung legen – bis hin zu Sonderjournalen, die an alle Haushalte im Bundesland gehen.  Als Tageszeitung mit eindeutig christlich-sozialer Prägung stehen wir im Meinungsbereich – etwa bei den Kommentaren und Analysen – für eine klare Orientierung und sagen das auch offen. Mit Aktionen wie dem „Volksblatt-Top-Talent“ im Sport oder „Lauter 1er“ sind wir Trendsetter.

14. Wenn Sie nicht Journalist wären, welchen Beruf würden Sie dann gerne ausüben?

Lehrer im Oberstufenbereich oder eine Aufgabe in der Erwachsenenbildung – diese Tätigkeitsbereiche würden mir zweifellos auch Spaß machen.

Ad personam

Beruflicher Werdegang: Nach der Matura und vertiefender Sprachausbildung Tätigkeit als Lehrer in einem österreich- und deutschlandweit tätigen Nachhilfeinstitut (Englisch, Deutsch, Latein). Danach parlamentarischer Mitarbeiter und Ausbildungen im Bereich des Journalismus. Seit gut elf Jahren beim Neuen Volksblatt tätig (u. a. als Ressortleiter in Chronik und Wirtschaft sowie als stv. Chefredakteur).

Geburtsdatum: 1. Mai 1974

Hobbys: Mit meinen beiden Töchtern die Welt immer wieder neu zu entdecken, tanzen (Standard und Latein)

Lieblingsort in Österreich: Da gibt es zu viele, um sie aufzulisten …

Lieblingsort weltweit: Venedig

Lieblingsautor: Da habe ich auch mehrere. Umberto Eco zählt auf jeden Fall dazu.

Lieblingsgetränk: Rotwein

Lieblingsessen: Meeresfrüchte

Lieblingsfilm: Das variiert, je nach Stimmung. Ganz gern auch gute Komödien etwa mit Walter Matthau oder Peter Sellers.

Lieblingsschauspieler: Harvey Keitel, Juliette Binoche

Christian Haubner, der neue Chefredakteur des „Neuen Volksblatt“
(Credit: Fotostudio Lackner-Strauss)

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