Journalist im Portrait

„Für Journalisten sollte es auch noch andere Informationsquellen als PR-Agenturen geben!“

Seit wenigen Wochen fungiert Elisabeth Ruckser als Chefredakteurin des der Styria Mulit Media Ag erscheinenden Frauentitels „Compliment“. Davor war Ruckser unter anderem beim „freizeit“-Magazin des Kurier und bei „Wienerin kocht“ engagiert.

Seit wenigen Wochen fungiert Elisabeth Ruckser als Chefredakteurin des der Styria Mulit Media Ag erscheinenden Frauentitels „Compliment“. Davor war Ruckser unter anderem beim „freizeit“-Magazin des Kurier und bei „Wienerin kocht“ engagiert.

1. Journalisten sind in der privilegierten Position, einen abwechslungsreichen Job auszuüben: Was gefällt Ihnen noch an Ihrem Beruf?

Dass man sich im besten Fall in jene Themen vertiefen und manchmal auch verbeißen kann, die einen selbst brennend interessieren.

2. Wo viel Licht ist, ist meist auch viel Schatten: Was sind die Schattenseiten des Journalistenberufs?

Die Gefahr, dass man an schon mehrfach bearbeitete Themen mit einer gewissen Arroganz oder mit Zynismus herangeht. Und, dass man früher oder später an den Punkt kommt, an dem man sich denkt: Was mach ich hier eigentlich, außer, das Altpapier von morgen zu befüllen?

3. Was treibt Sie in Ihrem Beruf als Journalist an?

Neugier und der Wunsch zu verstehen, wie Menschen funktionieren.

4. Wenn Sie Presseaussendungen zugeschickt bekommen, welche Themenfelder interessieren Sie da besonders und welche interessieren Sie überhaupt nicht?

Ist eine Frage der Aufbereitung – Themen interessieren mich viele, mein Fachgebiet ist in den letzten Jahren alles rund um Essen, Trinken, Ernährung und Genuss geworden.

5. Wie werden Sie im Berufsalltag am liebsten mit PR-Aussendungen, Informationen und Einladungen versorgt?

Überschaubar.

6. An welchem Wochentag und zu welcher Tageszeit sind Sie in Ihrem Job am ehesten ansprechbar und wann sollte man Sie besser nicht kontaktieren?

Seit Schule für mich wieder grausamer (mütterlicher) Frühaufsteh-Alltag ist, darf man mich auch schon um 8 Uhr Früh ansprechen, dafür bitte am Wochenende in Ruhe lassen.

7. Was können Sie in Zusammenhang mit PR-Agenturen gar nicht leiden?

Penetranz.
Und ich finde, dass man den Stellenwert von PR-Agenturen in der journalistischen Arbeit zwar sicher nicht gering schätzen sollte, aber bitte auch nicht überbewerten – für Journalisten sollte es auch noch andere Informationsquellen geben.

8. Können Sie sich an einen Fall erinnern, wo Sie sich ganz besonders über eine PR-Agentur oder PR-Stelle geärgert haben?

Als ich eine Pressereise absagen musste, und die PR-Dame mit äußerst forderndem Unterton meinte: „Na, aber wir gehen schon davon aus, dass Sie trotzdem was bringen.“

9. Erinnern Sie sich auch an einen Fall, wo Sie sich ganz besonders über eine PR-Agentur oder eine PR-Stelle gefreut haben?

Als ich für eine kurze Anfrage über die kulinarischen Highlights einer mir unbekannten Stadt, von der dort zuweilen lebenden Agenturchefin eine unglaublich umfassende, persönliche und kompetente Information zurück bekam.

10. Was zeichnet für Sie eine gute PR-Agentur oder einen guten PR-Berater aus?

Zu wissen, wann es genug ist.

11. Worauf sollten PR-Agenturen Ihrer Ansicht nach ihr Hauptaugenmerk in Sachen Medienarbeit legen?

Auf persönliche Kontakte.

12. Wie würden Sie Ihre Aufgabe bei „Compliment“ charakterisieren?

Stories zu bringen, die interessanter Lesestoff sind: gut recherchiert, fundiert, darf ruhig auch launig sein, aber auf jeden Fall informativ. Man muss merken, dass wir eine Ahnung von dem haben, worüber wir schreiben.

13. Wofür steht „Compliment“ in wenigen Worten und was macht es als Medium unverwechselbar?

Siehe oben. Und natürlich die spezielle Zielgruppe: Frauen 45 +. Das ist eine super spannende Zielgruppe, die extrem vielfältig ist: Frauen mit (Enkel)Kindern oder ohne, etabliert im job oder nicht – auf jeden Fall Menschen, die die eine oder andere Frage in ihrem Leben schon beantwortet haben. Die aufmerksam und sicher auch kritisch sind, weil sie einfach bereits über eine gewisse Lebenserfahrung verfügen.

14. Wenn Sie nicht Journalist wären, welchen Beruf würden Sie dann gerne ausüben?

Wahrscheinlich etwas „erdverbundeneres“. Bäuerin?

Ad personam

Beruflicher Werdegang:
1985 Start bei Tageszeitung, und zwar beim „Kurier“, zuerst NÖ-Redaktion, später „freizeit“-Magazin. Daneben Studium (Politikwissenschaft), Abschluss hat ein bissl gedauert, aber 1994 war es vollbracht. Seit 1996 freiberuflich tätig, von 1999 bis 2006 Redakteurin für Reportage, Leben & Lieben sowie Gourmet bei der „Wienerin“. Dann kurzer Abstecher zum damals neu gegründeten „Österreich“ (Gourmet-Ressort) und ab 2007 Übernahme der Chefredaktion des Gourmet-Magazins „Wienerin kocht“. Oktober 2009: Chefredaktion „Compliment“. Daneben immer wieder Projekte und Bücher, unter anderem Autorin von „Schokolade“ (Collection Rolf Heyne), „Wienerin – das Kochuch“ (Wienerin-Verlag), „purkochen.at“ (Kremayr/Scheriau). Projekte: zum Beispiel „alles.powidl?“ – liegt mir besonders am Herzen und ist eine Initiative, die ich mit einer Partnerin heuer gestartet habe. Wir möchten Kindern Genuss und damit gesunde Ernährung (wieder) schmackhaft machen, das Pilotprojekt im Juni 2009 war ein voller Erfolg, nun evaluieren wir und suchen weiter nach Sponsoren. (www.allespowidl.at)

Geburtsdatum: 10. August 1965

Hobbys: Vieles rund um Genuss – Familien-Alltagsküche, Schnaps aus eigenen Zwetschken und Äpfeln brennen, verantwortungsvolle Lebensmittelproduzenten suchen und finden, ein Glas vom Welsch auf der Bank vor dem Haus trinken. Laut Musik hören, wenn ich allein im Auto fahre. Und vielleicht noch ein bissl Sport, wenn mich der Ehrgeiz packt.

Lieblingsort in Österreich: Unsere Mühle an der Thaya

Lieblingsort weltweit: Hab sicherlich nicht auch nur annähernd alle gesehen, die es sein könnten. Aber zunehmend werden es die, an denen man zur Ruhe kommen kann. Und am Ende vermutlich erst wieder unsere Mühle an der Thaya.

Lieblingsautor: Keine ahnung, vielleicht derzeit grad mal wieder T.C.Boyle

Lieblingsgetränk: Apfelsaft, -most – oder -schnaps aus der eigenen Produktion.

Lieblingsessen: Gebratener Thayakarpfen mit lauwarmem Rucola-Erdäpfelsalat.

Lieblingsfilm: Hab ich keinen. Und im Kino schau ich in den letzten Jahren ohnehin hauptsächlich Kinderfilme.

Lieblingsschauspieler: genau so schwierig, wie einen Lieblingsautor auswählen …

Kontakt: elisabeth.ruckser@wienerin.at

Die frischgebackene „Compliment“-Chefredakteurin Elisabeth Ruckser verweilt gerne in ihrer Mühle an der Thaya und kennt sich mit allem, was mit Genuss zu tun hat, verdammt gut aus.

Über den Author

Redaktion

Schreiben Sie ein Kommentar