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„Ich habe mich eigentlich nie auf meine Karriere konzentriert!“

Ernst Primosch fungiert seit Mitte 2010 Monaten CEO von Hill & Knowlton in Deutschland, und ist seit Anfang 2011 in Personalunion auch Chairman des PR-Networks. Der 50-jährige Österreicher übernimmt damit früher als geplant die volle Führung der PR-Agentur. Im Interview plaudert Primosch über Legionäre aus Österreich, die neue Struktur bei Hill & Knowlton und die digitale Revolution.

Ernst Primosch fungiert seit Mitte 2010 Monaten CEO von Hill & Knowlton in Deutschland, und ist seit Anfang 2011 in Personalunion auch Chairman des PR-Networks. Der 50-jährige Österreicher übernimmt damit früher als geplant die volle Führung der PR-Agentur. Im Interview plaudert Primosch über Legionäre aus Österreich, die neue Struktur bei Hill & Knowlton und die digitale Revolution.

OBSERVER: War es eigentlich ihr Ziel, einmal Chef eines großen PR-Networks oder einer großen PR-Agentur zu werden?

Ernst Primosch: Nein, ich hatte immer drei berufliche Ziele im Leben: Alles, was ich mache, möchte ich so gut wie möglich machen. Ich möchte Herausforderungen haben und die Arbeit muss mir Freude machen. Alles andere kam von selbst.

OBSERVER: Inwiefern war es in Ihrer neuen Funktion eigentlich hilfreich, dass Sie von Auftraggeberseite kommen und nicht in einer PR-Agentur groß geworden sind?

Ernst Primosch: Seinen Kunden bestmöglich zu kennen, ermöglicht es einem, die besseren Lösungen anzubieten. Daher ist meine Industrie- und Verbandserfahrung unglaublich wertvoll und einer der Erfolgsfaktoren.

OBSERVER: Hill & Knowlton hat sich in den vergangenen Monaten und Jahren eine neue Struktur in der Marktbeackerung verpasst. Was war der Hintergrund für diese Maßnahme?

Ernst Primosch: Wenn sich deine Umwelt ändert, dann muss du das auch als Unternehmen tun. Viele unserer Kunden stecken aufgrund der Wirtschaftskrise noch in Veränderungsprozessen, bei denen wir sie auch intensiv begleiten. Diese Veränderungsprozesse aber zeigen uns, wohin der Weg geht: Und wenn dann unsere Kunden am Ziel angelangt sind, dann wollen wir schon dort stehen und sie mit schlagkräftigeren Teams und neuen Strategien in ein neue Schlacht begleiten.

OBSERVER: Digitale PR ist bei Hill & Knowlton auf internationaler Ebene, wo man gerade Andrew Bleeker, den Leiter von Barack Obamas Online-Marketing-Kampagne „Obama for America“ als Global Digital Practice Director engagiert hat, ein wichtiges Thema, aber natürlich auch bei Hill & Knowlton in Deutschland. Wie ist Hill & Knowlton in Deutschland im Bereich Digitale PR aufgestellt? Welche To-Do’s stehen diesbezüglich noch auf der Liste?

Ernst Primosch: Wir haben in den letzten Monaten in Sachen Digital dramatisch aufgeholt und uns mit unserer Digital Brand iComms® (www.iComms.de) vom gutem Mittelfeld an die Spitze der Entwicklung geschoben. Ein Marketingleiter hat kürzlich zu mir in Sachen Digital gesagt: „Sie halten, was andere uns versprochen haben.“ Das hat mich gefreut, denn ich denke, den Anspruch können wir mittlerweile erfüllen und zusätzlich passen wir für unsere Kunden noch höllisch auf, dass sie ihr hart verdientes Geld nicht in irgendwelchen wirkungslosen Social Net Aktivitäten versenken. Wir sind in einer kommunikativen Umbruchphase und da sind viele falsche Heilsbringer unterwegs.

OBSERVER: Was unterscheidet PR heute gegenüber PR vor zehn Jahren? Was unterscheidet sich in der Servicierung der Kunden? Was ist im Umgang mit den Medien anders geworden?

Ernst Primosch: Viele würden sagen, das Social Net. Das stimmt aus meiner Sicht nur beschränkt. Ich hatte die erste Website schon 1992 online und schon zu der Zeit gab es einfache Social Nets, die sich von den heutigen nur durch die Anzahl der Mitglieder unterscheiden. Ich sehe die Veränderung eher im Kommunikationsverhalten der Nutzer. Es geht hin zu immer mehr von allem – und das fragmentiert natürlich die Kanäle enorm. Darum sehen auch so viele im Hype das Forum Romanum des Netzes, da sich auf diesen Plätzen die Massen treffen. Die Wirkungsprinzipien haben sich jedoch interessanterweise in den letzten 2.000 Jahren nicht viel verändert. Was ich noch sehe und was mir Sorgen macht, ist die abnehmende Kreativität. Ich habe sehr oft Kommunikationsprojekte von Unternehmen und Agenturen zu bewerten und es gibt immer weniger, die mich von Hocker reißen. Das ist schade und darum habe ich vor, da in meinem Bereich massiv gegenzusteuern.

OBSERVER: Medienlegionäre aus Österreich hatten in Deutschland immer schon ein gutes Standing. Ist der Ruf der Österreicher in der PR-Branche ein ähnlich guter?

Ernst Primosch: Ja, wir haben einen guten Ruf und wenn ich da an meinen Freund Helmut Thoma und RTL denke, dann waren viele der erfolgreichsten Medienlegionäre zuallererst einmal das, was gute Manager auszeichnet, nämlich gute Kommunikatoren. Hinzu kommt unser multikultureller Hintergrund und die österreichische Notwendigkeit aufgrund kleinerer Teams Entscheidungen früher und damit schneller treffen zu müssen als unsere deutschen Kollegen, die teilweise riesige, aber langsamere Beraterstäbe nützen.

OBSERVER: Deutschland ist mit einer der größten Kommunikationsmärkte der Welt. Vom Deutschland-Chef eines PR-Networks ist es also nicht mehr allzu weit bis zum Worldwide CEO. Entspräche eine derartige Position Ihrer Lebensplanung?

Ernst Primosch: Ich habe mich eigentlich nie auf meine Karriere konzentriert. Mein Ansatz ist da ein anderer. Ich denke, egal, was man im Leben tut, es gehört immer auch ein Quäntchen Glück dazu. Ich hatte das sehr oft und ich vertraue darauf, dass, wenn man die Dinge richtig und moralisch anständig macht, es auch so bleibt.  Und wenn es dann sein soll, dann wird es so sein, aber ich strebe die Funktion nicht aktiv an.

OBSERVER: Zurück nach Österreich: Ecker und Partner war bis vor einem Jahr Associate von Hill & Knowlton in Österreich, die Agenturn kooperiert jetzt mit Burson Marsteller. Hill & Knowlton war über die Jahre immer wieder mal mit österreichischen Agenturen assoziiert. Wie sieht da die Zukunftsplanung aus?

Ernst Primosch: Ich kenne den österreichischen Markt sehr, sehr gut, mein Netzwerk ist immer noch exzellent und es gibt seit einigen Monaten Gespräche, denn eines ist klar: Ich betrachte es fast als eine moralische Verpflichtung, Hill & Knowlton wieder in Österreich zu etablieren. Das täte Hill & Knowlton gut und es täte Österreich gut, da Hill & Knowlton eines der größten und internationalsten Agenturnetzwerke ist. Nicht zuletzt täte es auch mir gut, denn dann käme ich doch öfter mal in meine  (trotzt aller momentanen Unzulänglichkeiten) geliebte Heimat. Denn ein bisschen Ö3 via Internet und das Neujahrskonzert sind auf Dauer als Dosis einfach zu gering.

Ad personam:

Ernst Primosch studierte Betriebswirtschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien. Zudem besitzt der heute 50-Jährige Primosch einen Ingenieursabschluss und hat langjährige Erfahrung als Journalist. Bevor er zu Hill & Knowlton kam, war er Global Corporate Vice President bei Henkel. Dort positionierte er das Unternehmen neu, entwickelte ein viel beachtetes Corporate Branding („A Brand like a Friend“) und leitete die weltweite Unternehmenskommunikation von Henkel, die 125 Ländern umfasste. Primosch arbeitete auf vier Kontinenten unter anderem bei Henkel, Siemens, Schwarzkopf und Porter Novelli und war Berater von mehreren DAX- Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsräten. Seit langem zählt Ernst Primosch zu jenen internationalen Experten, die auf dem Gebiet der Kommunikation Standards in Professionalität und Qualität setzen.

Ernst Primosch, aus Österreich stammender CEO und Chairman von Hill & Knowlton in Deutschland: „Wenn sich deine Umwelt ändert, dann muss du das auch als Unternehmen tun.“

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